Energieberater, Bausachverständige, Wertermittler, Architekten und Investoren benutzen dasselbe Wort für sechs verschiedene Leistungen. Wer eine Gebäudeanalyse beauftragt oder ein Angebot dafür liest, muss deshalb zuerst klären, welche gemeint ist – sonst bezahlt er eine energetische Bilanz und wollte eine Substanzbewertung. Dieser Beitrag ordnet die Arten, den Ablauf und das, was am Ende im Bericht stehen muss.
„Gebäudeanalyse" ist ein Oberbegriff für sechs verschiedene Untersuchungsarten: die bauliche, die energetische, die schadstoffbezogene, die Bestandsaufnahme zur Wertermittlung, die Nutzungsanalyse und die technische Due Diligence. Alle erfassen den Ist-Zustand Bauteil für Bauteil, bewerten ihn und leiten Handlungsbedarf, Kosten und Risiken ab – aber jede beantwortet eine andere Frage.
Fünf Begriffe, die oft dasselbe meinen – und wo sie auseinandergehen
„Gebäudeanalyse" ist kein geschützter Begriff, und vier benachbarte Wörter machen die Sache nicht einfacher. Der Begriff wird fachlicher verwendet als „Gebäudecheck", meint in der Praxis aber dasselbe: eine strukturierte Bestandsaufnahme statt eines Bauchgefühls. Im Verbraucher-Sprachgebrauch ist das dasselbe. Fachlich ist die Analyse der Oberbegriff und der Check ihre überschlägige Kurzform — deshalb gibt es Gebäudeanalysen, die niemand einen Check nennen würde, etwa die technische Due Diligence eines Wohnportfolios. Welche Prüftiefen ein Angebot haben kann und was die geförderte Variante der Verbraucherzentrale leistet, steht im Beitrag zum Gebäudecheck vor dem Hauskauf und seinen vier Prüftiefen.
Bestandsaufnahme hat zwei Lesarten. Im engen, fachlichen Sinn ist sie ein Teilschritt: das Erfassen und Dokumentieren des Vorhandenen – Aufmaß, Bestandspläne, Fotodokumentation –, ausdrücklich ohne Bewertung. Im weiten Sinn benutzen viele Anbieter das Wort für die ganze Analyse. Dieser Beitrag verwendet ab hier die enge Lesart, weil sonst der entscheidende Unterschied verschwindet: Erfassen ist nicht Bewerten. Ein Aufmaß sagt, wie groß die Fassade ist. Ob sie in zehn Jahren erneuert werden muss, sagt es nicht.
Gutachten ist kein Verfahren, sondern eine Ergebnisform. Eine schriftliche, begründete Feststellung durch eine sachverständige Person, die als Grundlage gegenüber Dritten dient – in der Kaufverhandlung und gegenüber der Versicherung. Vor Gericht ist ein solches Privatgutachten allerdings qualifizierter Parteivortrag und kein gerichtliches Sachverständigengutachten – es ersetzt keinen Beweis, sondern begründet ihn. Nicht jede Analyse mündet darin: Eine mündliche Einschätzung nach einer Begehung ist auch eine Gebäudeanalyse, nur eben keine, auf die sich jemand später berufen kann.
Bauschadensgutachten schließlich ist die engste Variante und wird am häufigsten verwechselt. Es untersucht einen Schaden auf seine Ursache – warum ist diese Wand feucht, wer haftet, was muss geschehen. Es bewertet nicht das Gebäude. Wer wissen will, wie es dem ganzen Haus geht, braucht das Gegenteil: die Breite über alle Bauteile, nicht die Tiefe an einer Stelle.
Die sechs Arten der Gebäudeanalyse – nach Fachebene und Zweck
Der Grund für die Begriffsverwirrung ist nicht Nachlässigkeit, sondern Arbeitsteilung: Jede Fachebene hat ihre eigene Analyse, ihre eigenen Fachleute und ihr eigenes Regelwerk. Sechs Typen deckt der Markt ab.
1. Bauliche Zustandsanalyse. Im Markt heißt sie meist Bauzustandsanalyse — der engste der Begriffe von oben, weil er ausdrücklich nur die bauliche Ebene meint. Die Analyse der Substanz: Gründung, tragende Wände, Decken, Dachtragwerk, Hülle. Gesucht werden Schäden, ihre Ursachen und die technische Restnutzungsdauer je Bauteil. Durchgeführt von Bausachverständigen oder Bauingenieuren. Das ist die Ebene, die beim Kauf zählt, weil hier die teuren, unsichtbaren Posten sitzen. Wie man die tragenden Elemente der Reihe nach durchgeht, steht in der Anleitung zum Bewerten der Bausubstanz; die Referenzwerte, aus denen sich ein Fälligkeitsdatum rechnen lässt, stehen unter Lebensdauer von Bauteilen. Eine Verwandte mit anderem Zweck ist die periodische Bauwerksprüfung nach VDI 6200: Sie dient der Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers, nicht der Kaufentscheidung – wer ein Haus kaufen will, braucht sie nicht.
2. Energetische Gebäudeanalyse. Hülle und Anlagentechnik unter der Frage, wie viel Energie das Gebäude braucht und wo sie verloren geht: U-Werte, Wärmebrücken, Heizungseffizienz, Lüftung. Durchgeführt von Energieberatern, die in der Energieeffizienz-Expertenliste geführt sind; das Ergebnis ist häufig ein individueller Sanierungsfahrplan. Rechtlicher Rahmen ist das Gebäudemodernisierungsgesetz. Wie sich die energetische Qualität in Kennzahlen niederschlägt, erklärt der Beitrag den Energieausweis richtig lesen.
3. Schadstoff- und Gefährdungsanalyse. Die Frage, ob im Gebäude gesundheitsgefährdende Stoffe verbaut sind – Asbest, PCB, PAK, künstliche Mineralfasern, Blei. Sie beginnt mit dem Baualter, weil sich daraus Verdachtsbereiche ableiten lassen, endet aber immer im Labor: Ein Schadstoff ist erst nachgewiesen, wenn eine Probe untersucht wurde. Seit der Novelle der Gefahrstoffverordnung vom 5. Dezember 2024 ist die Erkundung vor Eingriffen keine Kür mehr – für Gebäude mit Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 gilt eine Vermutungsregel für Asbest, die sich nur durch technische Erkundung widerlegen lässt. Welche Stoffe in welcher Bauepoche typisch sind, ordnet der Beitrag zum Schadstoffverdacht nach Baujahr.
4. Bestandsaufnahme zur Wertermittlung. Hier ist die Analyse Zulieferer, nicht Zweck: Erfasst wird, was für die Ermittlung des Verkehrswerts gebraucht wird. Den Verkehrswert selbst definiert § 194 BauGB; die Immobilienwertermittlungsverordnung konkretisiert, wie er ermittelt wird. Achtung bei einem Wort, das in beiden Welten vorkommt: „Restnutzungsdauer" meint dort die verbleibende wirtschaftliche Nutzungsdauer der baulichen Anlage, in der baulichen Analyse dagegen die technische Lebensdauer eines Bauteils. Zwei verschiedene Größen mit demselben Namen – eine der häufigsten Verwechslungen zwischen den Disziplinen.
5. Nutzungs- und Umbauanalyse. Die Frage nach dem, was aus dem Gebäude werden kann: Tragreserven, Grundrissflexibilität, Drittverwendungsfähigkeit bei Umnutzung, Barrierefreiheit nach DIN 18040. Durchgeführt von Architekten und Tragwerksplanern, typisch bei Bestandsentwicklung und Umnutzung.
6. Technische Due Diligence bei Immobilien. Das Bündel: bauliche, energetische und schadstoffbezogene Analyse zusammen mit dem baurechtlichen Genehmigungsstand, bei institutionellen Käufern zunehmend ergänzt um eine ESG-Bewertung. Der Ablauf ist weitgehend eingespielt, ohne dass eine Norm ihn vorschriebe – Datenraum sichten, begehen, Red-Flag-Bericht, CapEx-Liste über die nächsten zehn Jahre. Das ist die Gebäudeanalyse in ihrer umfangreichsten Form, und sie ist der Grund, warum „Analyse" der bessere Oberbegriff ist als „Check": Ein Portfolio prüft niemand überschläglich.
Welche Analyse für welche Frage
| Ihre Frage | Analyseart | Wer sie macht · Ergebnis |
|---|---|---|
| Kaufen — was kommt auf mich zu? | Bauliche Zustandsanalyse | Bausachverständiger, Bauingenieur · Mängelliste mit Dringlichkeit und Kostenrahmen |
| Sanieren — was zuerst? | Bauliche + energetische Analyse | Bausachverständiger, Energieberater · Maßnahmenreihenfolge über die Jahre |
| Energie sparen — wo? | Energetische Gebäudeanalyse | Energieberater aus der Expertenliste · Sanierungsfahrplan, Förderfähigkeit |
| Ist da Asbest drin? | Schadstoff- und Gefährdungsanalyse | Schadstoffgutachter + Labor · Nachweis je Probe, Entsorgungsweg |
| Was ist das Objekt wert? | Bestandsaufnahme zur Wertermittlung (nur die Datengrundlage) | Sachverständiger für Immobilienbewertung · die Wertaussage selbst liefert erst das Verkehrswertgutachten |
| Kann ich das umnutzen? | Nutzungs- und Umbauanalyse | Architekt, Tragwerksplaner · Machbarkeit, Tragreserven, Auflagen |
Die praktische Lehre daraus: Fragen Sie nie nach dem Namen der Leistung, sondern nach zwei Dingen – welche Fachebene geprüft wird und wie tief. Ein Angebot, das darauf keine klare Antwort gibt, ist keins.
Ablauf einer Gebäudeanalyse: die vier Phasen
Unabhängig von der Art läuft jede Gebäudeanalyse in vier Phasen. Ihre Tiefe unterscheidet sich, ihre Reihenfolge nicht – und wer eine Phase überspringt, merkt es erst am Ergebnis.
Die vier Phasen jeder Gebäudeanalyse – und was am Ende jeder Phase vorliegen muss.
Phase 1 – Unterlagen sichten. Baugenehmigung und Bauakte, Bestandspläne, Statik, Energieausweis, Wartungs- und Sanierungsnachweise, bei Wohnungseigentum Teilungserklärung und Beschlusssammlung. Als Kaufinteressent kommen Sie an die Bauakte im Bauamt nur mit Zustimmung des Eigentümers – lassen Sie sich diese früh geben, sie kostet nichts und ist nach dem Kauf nicht mehr nötig. Der typische Fehler ist, diese Phase für Formalität zu halten und mit der Begehung zu beginnen.
Aus der Due-Diligence-Praxis lässt sich das umdrehen: Der Datenraum entscheidet, wie gut die Begehung wird. Wer die Unterlagen gelesen hat, geht mit Fragen ins Objekt – warum fehlt für den Anbau die Genehmigung, warum wurde die Heizung zweimal in acht Jahren instandgesetzt, warum endet die Wartungsdokumentation 2019. Wer sie nicht gelesen hat, geht mit Augen und findet, was ohnehin ins Auge fällt. Beim Einfamilienhaus ersetzt der Aktenordner des Verkäufers den Datenraum, das Prinzip bleibt: Erst die Papiere, dann das Haus.
Phase 2 – Zustand erfassen. Systematisch von unten nach oben, Bauteil für Bauteil, mit Fotodokumentation. Je nach Tiefe kommen Messungen hinzu: Feuchtemessung, Thermografie (nur bei ausreichender Temperaturdifferenz, praktisch im Winterhalbjahr), Endoskopie durch vorhandene Öffnungen – neue Bohrungen nur mit Einwilligung des Eigentümers, denn vor dem Kauf gehört die Wand noch dem Verkäufer –, Rissmonitoring über Monate, weil sich saisonale Bewegung erst über einen Jahresgang zeigt. Der typische Fehler ist selektive Erfassung – man dokumentiert, was auffällt, und übersieht, dass ein Bauteil gar nicht eingesehen wurde. Ein nicht geprüftes Bauteil ist kein unauffälliges Bauteil.
Phase 3 – Bauteile bewerten. Erst hier entsteht Aussage: Zustandsklasse oder Note je Bauteil, technische Restnutzungsdauer, Dringlichkeit. Der typische Fehler ist die Einzelfundperspektive. Entscheidend ist das Muster – drei kleine Feuchtespuren an derselben Wandseite sind ein Befund, nicht drei; und ein Haus, in dem sichtbar nur kaschiert statt saniert wurde, ist schlechter als die Summe seiner Einzelmängel.
Phase 4 – Ergebnis dokumentieren. Befund, Maßnahme, Kostenrahmen, Risiko. Hier gilt eine Reihenfolge, die in der Praxis über die Brauchbarkeit entscheidet: Red-Flag-Liste vor der Kostentabelle. Ein Kauf scheitert an drei Befunden, nicht an der Summe von dreißig. Ein Bericht, der mit einer Gesamtsumme beginnt, lädt dazu ein, über den Preis zu verhandeln, statt über das Risiko zu entscheiden. Was rechtlich daran hängt, wenn ein Mangel erst nach dem Kauf auftaucht, steht unter versteckte Mängel und ihre Rechtsfolgen.
Was im Ergebnis einer Gebäudeanalyse steht
Angebote unterscheiden sich stark, ein brauchbarer Bericht enthält aber immer dieselben sechs Bestandteile. Die Liste taugt als Prüfraster für ein Angebot, bevor man es beauftragt:
- Bauteil-Katalog nach Fachebenen – welche Bauteile überhaupt betrachtet wurden. Ohne diese Liste ist unklar, was fehlt.
- Zustandsbewertung mit erklärter Skala. Eine Note ohne Definition ihrer Stufen ist eine Meinung.
- Belastbarkeit je Befund – der Punkt, an dem sich Berichte am stärksten unterscheiden. In klassischen Berichten steht sie meist nur implizit („laut Unterlage", „nicht eingesehen", „Annahme"); als eigene, ausgewiesene Skala je Befund ist sie selten. Sie ist aber die wichtigste Information überhaupt, weil sie sagt, welchem Satz man trauen kann.
- Maßnahmen, getrennt nach kurz- und langfristig – sonst steht die undichte Fuge neben der Dachsanierung.
- Kostenrahmen als Spanne, nicht als Punktwert. Wer auf hundert Euro genau schätzt, ohne Bauteile geöffnet zu haben, überschätzt seine Datenlage.
- Risiko-Flags – die kleine Zahl von Befunden, die eine Kaufentscheidung tatsächlich kippen können.
Wie ein durchgehend so strukturiertes Ergebnis aussieht – Bauteil-Noten über sieben Fachebenen, Belastbarkeit je Befund, Sanierungskosten und Risiken –, zeigt der Beispielbericht zu einem Musterhaus.
Was die Kosten einer Gebäudeanalyse treibt
Angebote für „eine Gebäudeanalyse" reichen von wenigen Dutzend bis zu mehreren Tausend Euro. Diese Spreizung wirkt willkürlich, folgt aber vier Treibern – und wer sie kennt, kann ein Angebot einordnen, statt Preise zu vergleichen, die verschiedene Dinge bezeichnen.
Prüftiefe. Sichtprüfung, Messung, Bauteilöffnung, Laborbeprobung: Jede Stufe verteuert sprunghaft, nicht linear, weil jede ein anderes Maß an Gerät, Zeit und Haftung mitbringt.
Dokumentationsform. Mündliche Einschätzung, Kurzbericht, ausführliches schriftliches Gutachten. Bei kleinen Objekten ist die Schreibarbeit der größere Kostenblock als die Begehung – ein schriftlicher Bericht kostet mehr als das Anschauen, das ihm zugrunde liegt.
Objektgröße und Zugänglichkeit. Anfahrt, Rüstzeit und der Zugang zu Keller, Dachboden und Technikraum fallen flächenunabhängig an. Deshalb ist ein kleines Objekt pro Quadratmeter teurer als ein großes – derselbe Effekt, der kleine Sanierungsflächen überproportional teuer macht.
Förderfähigkeit. Nur die energetische Ebene ist öffentlich gefördert; die bauliche nicht. Das erklärt den größten Teil der Spreizung: Die geförderte Energieberatung der Verbraucherzentrale bei Ihnen zu Hause kostet höchstens 40 Euro Eigenanteil, eine bauliche Substanzprüfung ein Vielfaches davon – nicht, weil sie aufwendiger wäre, sondern weil niemand sie subventioniert.
Als grobe Orientierung, sortiert nach dem stärksten Treiber – der Methode, mit der geprüft wird:
| Prüfmethode | Größenordnung | Was Sie dafür bekommen |
|---|---|---|
| Datenbasierte Vorprüfung (ohne Termin) | 0 – niedriger zweistelliger Bereich | strukturierter Vorbefund aus Unterlagen, Fotos und amtlichen Daten |
| Geförderte energetische Beratung im Haus | max. 40 € Eigenanteil | rund zwei Stunden vor Ort, energetischer Kurzbericht |
| Sichtprüfung vor Ort (Kurzbegehung) | mittlerer bis oberer dreistelliger Bereich | Begehung mit mündlicher Einschätzung, keine Messtechnik |
| Prüfung mit Messtechnik und Bericht | vierstellig | Feuchtemessung, ggf. Thermografie, schriftliche Dokumentation |
| Bauteilöffnung und Laborbeprobung | Zusatzposten je Öffnung bzw. Probe | Nachweis statt Verdacht – nur mit Einwilligung des Eigentümers |
Die Spannen sind Orientierung, keine Kostenzusage; Anbieter, Region und Objektgröße verschieben sie deutlich. Konkrete Beträge je Prüftiefe stehen im Gebäudecheck-Beitrag; wie sich das Honorar eines Sachverständigen zusammensetzt, steht unter Baugutachter-Kosten beim Hauskauf. Wer als Bausachverständiger überhaupt infrage kommt und woran man Qualifikation erkennt, klärt der Beitrag zum Sachverständigen beim Hauskauf.
Digitale Gebäudeanalyse: welche Daten es gibt – und wo die Grenze liegt
Eine digitale Gebäudeanalyse wird oft für einen Notbehelf gehalten. Das verkennt, wie viel über ein Gebäude amtlich dokumentiert ist, bevor jemand es betritt. Die Quellenlage in Deutschland:
- Liegenschaftskataster (ALKIS). Flurstück, Gebäudegeometrie, Gebäudefunktion und das Baujahr, soweit es dort geführt wird. Die Kataster-Angabe ist nicht flächendeckend gepflegt – als einzige Quelle für das Baujahr ist sie unzuverlässig, als Abgleich mit anderen Angaben wertvoll.
- Amtliche Luftbilder, mehrere Jahrgänge. Der unterschätzteste Datenschatz: Im Vergleich zweier Aufnahmen werden Anbauten, Dachsanierungen und Nutzungsänderungen datierbar. Wie viele Jahrgänge verfügbar sind, unterscheidet sich je Bundesland.
- 3D-Gebäudemodelle (LoD2). Gebäudehöhen, Dachform und Nachbarbebauung – und damit, wo eine Brandwand bauordnungsrechtlich zu erwarten ist und welche Flächen überhaupt einsehbar sind.
- Gefahrenkarten der Länder und Bundesbehörden. Hochwassergefahr, Radonpotenzial, Erdbebenzone, Bergbaueinwirkung – Standortrisiken, die am Gebäude selbst nicht zu sehen sind und die bei einer Besichtigung regelmäßig niemand prüft.
- Ihre eigenen Unterlagen und Fotos. Die Ebene, die den Unterschied macht: Exposé, Energieausweis, Rechnungen und Bilder der Innenräume schließen genau die Lücken, die aus der Ferne bleiben.
Wo die briven-Vorprüfung in dieser Systematik steht
Von den sechs Arten deckt briven Teile der ersten drei datenbasiert ab – bauliche Substanz, energetische Qualität und Schadstoffrisiko nach Baualter – und prüft zusätzlich normbezogene Ebenen, die quer zu dieser Typologie liegen: Brandschutz, Elektro, Einbruch- und Absturzsicherung. Die Wertermittlung dagegen gar nicht. Das ist die ehrliche Einordnung: eine Vorprüfung auf der Stufe, auf der noch nichts gemessen wird, aber schon klar werden soll, wo gemessen werden muss. Kein Gutachten und kein Ersatz für den Sachverständigen vor Ort.
Gearbeitet wird mit dem, was Sie einspeisen: Im einfachsten Fall genügt die Adresse, Unterlagen und Fotos schärfen das Ergebnis. Jeder Befund trägt ein Konfidenzniveau, damit Sie sehen, welcher Aussage Sie trauen können; bei Hinweisen auf Statik-, Feuchte- oder Schadstoffprobleme empfiehlt briven ausdrücklich, einen Bausachverständigen oder Statiker hinzuzuziehen. Die Auswertung entsteht in der Regel in unter einer Stunde. Wie das Produkt insgesamt funktioniert, steht auf der Seite zur KI-Gebäudeanalyse von briven.
Wo eine solche Vorprüfung im Ablauf eines Hauskaufs sinnvoll ansetzt – vor der Besichtigung, vor der Preisverhandlung, vor dem Notartermin –, ordnet die Hauskauf-Checkliste ein.
Häufige Fragen
Eine Gebäudeanalyse ist die systematische Untersuchung eines Gebäudes nach festen Kriterien – bauliche Substanz, Energie oder Wert, je nach Zweck. Sie erfasst den Ist-Zustand Bauteil für Bauteil, bewertet ihn und leitet daraus Handlungsbedarf, Kosten und Risiken ab. Der Begriff wird fachlicher verwendet als „Gebäudecheck", meint in der Praxis aber dasselbe: eine strukturierte Bestandsaufnahme statt eines Bauchgefühls.
Je nach Fachebene unterschiedliche Fachleute: Bausachverständige und Bauingenieure für die bauliche Zustandsanalyse, Energieberater für die energetische Analyse, Sachverständige für Immobilienbewertung für die Bestandsaufnahme zur Wertermittlung und Schadstoffgutachter mit Laborbeprobung für Gefährdungsanalysen. Achten Sie auf die Qualifikation: Weder „Sachverständiger“ noch „Gutachter“ ist eine geschützte Bezeichnung – belastbar sind öffentlich bestellte und vereidigte oder nach DIN EN ISO/IEC 17024 zertifizierte Sachverständige. Für geförderte Energieberatungen und den Sanierungsfahrplan muss der Energieberater zusätzlich in der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes geführt sein. Bei größeren Objekten bündelt ein Team diese Ebenen in einer technischen Due Diligence.
Wenn eine Kaufentscheidung mehr trägt als ein einzelnes Gebäude: bei Mehrfamilienhäusern, Portfolios, Gewerbe- und Logistikimmobilien oder immer dann, wenn Kaufpreis und Fremdkapital eine belastbare, dokumentierte Risikoliste verlangen. Die technische Due Diligence bündelt bauliche, energetische und schadstoffbezogene Analyse mit dem baurechtlichen Genehmigungsstand und mündet in einen Red-Flag-Bericht samt Kostenplan – die Gebäudeanalyse in ihrer umfangreichsten Form.
Die Gebäudeanalyse ist der Vorgang – Erfassen, Bewerten, Ableiten. Das Gutachten ist eine mögliche Form des Ergebnisses: eine schriftliche, begründete Feststellung durch eine sachverständige Person, die als Grundlage gegenüber Dritten dient – in Verhandlung und Versicherung; vor Gericht gilt es allerdings als qualifizierter Parteivortrag, nicht als gerichtliches Sachverständigengutachten. Nicht jede Analyse mündet in ein Gutachten; eine Vorprüfung oder ein Kurzbericht ist ebenfalls eine Gebäudeanalyse, aber kein Gutachten.
In vier Phasen: Unterlagen sichten (Pläne, Bauakte, Energieausweis, Wartungsnachweise), Zustand erfassen (Begehung oder Datenauswertung, bei Bedarf Messungen), Bauteile bewerten (Zustand, technische Restnutzungsdauer, Dringlichkeit) und das Ergebnis dokumentieren – als Bericht mit Befunden, Maßnahmen, Kostenrahmen und Risiken. Welche Phase wie tief geht, bestimmt der Zweck der Analyse.
Teilweise. Aus amtlichen Daten – Liegenschaftskataster, Luftbildern, 3D-Gebäudemodellen, Gefahrenkarten – sowie aus hochgeladenen Unterlagen und Fotos lässt sich ein strukturierter Vorbefund ableiten: Bauweise und Baujahr, soweit erfasst, Dach- und Hüllenzustand aus der Vogelperspektive, Standortrisiken, Plausibilität der Unterlagen. Messungen, Bauteilöffnungen und Laborbeprobung bleiben Aufgaben vor Ort; eine digitale Analyse zeigt vorher, wo sie nötig sind.
Quellen & Normen(6)
- Verbraucherzentrale Energieberatung: Beratung zu HauseAblauf und Eigenanteil der geförderten energetischen Beratung im Gebäude (maximal 40 Euro) – Grundlage der Kostenaussage zur Förderfähigkeit.
- BAFA: Bundesförderung der Energieberatung für WohngebäudeZuschusshöhe und Antragsweg der ausführlichen Energieberatung mit Sanierungsfahrplan – Rahmen der Analyseart „energetische Gebäudeanalyse“.
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) – bis Juli 2026 GebäudeenergiegesetzEnergetische Anforderungen an Gebäude und Pflicht zum Energieausweis – Regelwerk der energetischen Analyseebene.
- Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV)Grundsätze der Verkehrswertermittlung – Rahmen der Analyseart „Bestandsaufnahme zur Wertermittlung“ und Ursprung der wirtschaftlichen Restnutzungsdauer.
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)Rechtsgrundlage der Asbest-Vermutungsregel für Gebäude mit Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993; Novelle in Kraft seit 5. Dezember 2024.
- BGB § 444: HaftungsausschlussGrenze des Gewährleistungsausschlusses „gekauft wie gesehen“ – der Grund, die Analyse vor der Beurkundung zu führen.
Ergänzend benannte Regelwerke, hier nicht zitiert: DIN 31051 (Instandhaltung – Begriffe für Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung), VDI 6200 (Richtlinie zur regelmäßigen Bauwerksprüfung, Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers) und DIN 18040 (Planungsgrundlagen barrierefreies Bauen).
